Bismarck(platz) im Fokus

## Ein Stadtgespräch über Namen, Orte und Erinnerung Wie erinnern wir im öffentlichen Raum an historische Persönlichkeiten? Welche Werte spiegeln sich in Straßen- und Platznamen wider – und wie gehen wir heute mit ihnen um? Mit dem Projekt „Bismarck(platz) im Fokus“ startet die Koordinierungsstelle Erinnerungskultur des Kulturamts der Landeshauptstadt Stuttgart einen öffentlichen Dialog über den zukünftigen Umgang mit der Bezeichnung „Bismarckplatz“. Der Bismarckplatz ist ein zentraler Treffpunkt im Stuttgarter Westen.  In den vergangenen Jahren wurden aus der Stadtgesellschaft verschiedene Vorschläge für eine Umbenennung des Bismarckplatzes eingebracht - insbesondere durch die Betty-Rosenfeld-Initiative. Gleichzeitig gab es Stimmen, die sich für eine stärkere geschichtliche Einordnung des Ortes aussprachen. Auf Grundlage eines Antrags der Gemeinderatsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN aus dem Jahr 2023 wurde die Koordinierungsstelle Erinnerungskultur beauftragt, eine öffentliche Diskussion über den zukünftigen Umgang mit der Bezeichnung „Bismarckplatz“ anzustoßen.  Das Projekt bringt unterschiedliche Sichtweisen zum Umgang mit dem Bismarckplatz zusammen – aus Wissenschaft, Kunst und Stadtgesellschaft. Ein erster Schritt der Beteiligung waren informelle Gespräche mit Anwohnerinnen und Anwohnern sowie Marktbesucherinnen und Marktbesuchern auf dem Bismarckplatz. Mitte April 2026 fand zudem eine Auftaktveranstaltung mit Vorträgen von Dr. Ulf Morgenstern von der Bismarck-Stiftung und der postkolonialen Stadtforscherin Dr. Noa K. Ha statt. ### **Wie läuft der Beteiligungsprozess ab?** Im nächsten Schritt sind drei Workshops geplant. **Die drei Workshopformate**, die den Kern des Prozesses bilden, werden von der Moderatorin und Prozessbegleiterin Viola Kelb begleitet und finden am **10\. Juni und 22. Juli jeweils von 17:30 bis 20:30 Uhr und am 17. Oktober von 10:30 bis 13:30 Uhr** statt. Im Mittelpunkt stehen Austausch, Diskussion und die gemeinsame Entwicklung konkreter Ideen für den zukünftigen Umgang mit dem Bismarckplatz. Ergänzend sind kurze Impulse aus Verwaltung und Designpraxis geplant. Zu Beginn stehen Fragen und Erfahrungen aus der Stadtgesellschaft im Mittelpunkt: Welche Geschichten und Erinnerungen verbinden sich mit dem Bismarckplatz und seinem Namensgeber? Welche Aspekte der historischen Figur sollten berücksichtigt werden? Und wie kann sich das im Stadtraum abbilden? Darauf aufbauend werden verschiedene Möglichkeiten für den zukünftigen Umgang mit dem Namen Bismarckplatz diskutiert. Die Möglichkeiten reichen von einer geschichtlichen Einordnung (z. B. auf einer klassischen Infotafel) über künstlerische Formate bis hin zu einer (Teil-)Umbenennung des Platzes.  Im letzten Workshop werden die entstandenen Ideen weiterentwickelt und zusammengeführt. Ziel ist es, einen gemeinsamen Vorschlag zu erarbeiten, der sowohl dem historischen Kontext als auch der Bedeutung des Platzes als lebendigem Ort im Stadtbezirk gerecht wird.  Die Treffpunkte liegen zentral in Stuttgart-West und sind barrierefrei erreichbar. Genauere Infos erhalten Sie nach Anmeldung. Für Getränke und kleine Snacks ist gesorgt. **Die Ergebnisse des gesamten Prozesses werden am 17. November 2026 im Rahmen einer öffentlichen Abschlussveranstaltung vorgestellt.** Parallel zu diesen Veranstaltungen realisieren die Künstlerinnen Ann-Kathrin Müller und Judith Engel eine sogenannte „Inventour“ zu verschiedenen Bismarck-Orten im Stadtraum. Vom 9. bis 12. Juli und vom 9. bis 11. Oktober 2026 setzen sie sich unter dem Titel „Eine Zierde unserer Stadt? Bismarck als Stein, Eiche, Haus, Büste, Platz“ künstlerisch mit den Spuren der Bismarck-Verehrung in Stuttgart auseinander und laden herzlich dazu ein, sie dabei zu begleiten. Mehr Infos und Anmeldung hierzu unter: [anmeldung@eine-zierde-unserer-stadt.info](mailto:anmeldung@eine-zierde-unserer-stadt.info) ### **Wer kann mitmachen?** Die Workshops stehen allen Interessierten offen. Besondere Vorkenntnisse sind nicht notwendig. Da die drei Veranstaltungen aufeinander aufbauen, wird darum gebeten, möglichst an allen drei Terminen teilzunehmen.  ### **Historischer Hintergrund** Der erste Reichskanzler Otto von Bismarck wurde über Jahrzehnte hinweg als Reichsgründer und prägende politische Persönlichkeit verehrt. Diese Würdigung spiegelt sich bis heute an verschiedenen Orten im Stadtbild wider: 1884 wurden der Bismarckplatz und die Bismarckstraße benannt, später folgten weitere Erinnerungsorte wie das Bismarckhaus mit Bismarck-Büste über dem Eingang, der Bismarckturm auf dem Gähkopf oder eine Bismarck-Eiche am Westbahnhof. Heute wird Bismarcks Wirken deutlich differenzierter betrachtet. Neben seiner Rolle bei der Reichsgründung und sozialpolitischen Reformen stehen insbesondere seine autoritäre Staatsauffassung, die Einschränkung demokratischer Mitbestimmung sowie seine Bedeutung für kolonialpolitische Entwicklungen im Fokus kritischer Auseinandersetzungen.

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