Bismarck(platz) im Fokus

## Ein Stadtgespräch über Namen, Orte und Erinnerung Mit dem Projekt „Bismarck(platz) im Fokus“ startet die Koordinierungsstelle Erinnerungskultur im Kulturamt der Landeshauptstadt Stuttgart einen mehrmonatigen öffentlichen Dialog darüber, wie künftig mit der Bezeichnung „Bismarckplatz“ umgegangen werden soll. Anlass sind konkrete Umbenennungsvorschläge und ein Fraktionsantrag im Gemeinderat. Hintergrund ist die laufende gesellschaftliche Debatte, welche historischen Ehrungen und welche Werte sich in Straßen- und Platznamen widerspiegeln sollten. ### **Hintergrund und Anlass**  Der Bismarckplatz im Stuttgarter Westen ist ein zentraler Treffpunkt des Stadtteils und zugleich ein Ort, der eng mit der historischen Figur Otto von Bismarcks verbunden ist. Der erste Reichskanzler wurde über Jahrzehnte hinweg als Reichsgründer und prägende politische Persönlichkeit verehrt. Diese Würdigung fand auch in Stuttgart sichtbaren Ausdruck: 1884 wurden der Bismarckplatz und die Bismarckstraße benannt, später folgten weitere Erinnerungsorte wie das Bismarckhaus mit Bismarck-Büste über dem Eingang, der Bismarckturm auf dem Gähkopf oder eine Bismarck-Eiche am Westbahnhof. Inzwischen wird Bismarcks Wirken deutlich differenzierter betrachtet. Neben seiner Rolle bei der Reichsgründung und sozialpolitischen Reformen stehen insbesondere seine autoritäre Staatsauffassung, die Einschränkung demokratischer Mitbestimmung sowie seine Bedeutung für kolonialpolitische Entwicklungen im Fokus kritischer Auseinandersetzungen. In den vergangenen Jahren wurden in Stuttgart aus der Zivilgesellschaft konkrete Vorschläge für eine Umbenennung des Bismarckplatzes eingebracht, insbesondere durch die Betty-Rosenfeld-Initiative. Gleichzeitig gab es Stimmen, die sich für eine stärkere historische Einordnung und Kontextualisierung des Ortes aussprachen. Auf Grundlage eines Antrags der Gemeinderatsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN aus dem Jahr 2023 wurde die Koordinierungsstelle Erinnerungskultur damit beauftragt, einen öffentlichen Diskurs über den zukünftigen Umgang mit dem Bismarckplatz zu entwickeln. ### **Ablauf** Das Projekt versteht Erinnerungskultur als Ergebnis gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse und bringt Perspektiven aus Geschichtswissenschaft, Stadtforschung, Erinnerungspolitik und Kunst mit den Erfahrungen und Vorschlägen aus der Stadtgesellschaft zusammen Ein erster Schritt der Beteiligung waren informelle Gespräche mit Anwohner\*innen und Marktbesucher\*innen auf dem Bismarckplatz. Mitte April 2026 fand dann die Auftaktveranstaltung des Projekts im Gemeindezentrum der Pauluskirche statt. Nach Vorträgen von Dr. Ulf Morgenstern von der Bismarck-Stiftung und der postkolonialen Stadtforscherin Dr. Noa K. Ha war das Publikum dort zu Fragen und Diskussion eingeladen. Im nächsten Schritt sind nun drei Workshops geplant, deren Ziel es ist, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen, Diskussionen anzuregen und konkrete Ideen zu entwickeln. Der Prozess ist ergebnisoffen angelegt und mündet im Idealfall in einen gemeinsamen Vorschlag der Teilnehmenden, der dem Gemeinderat als Grundlage für weitere Entscheidungen dienen soll. Die Ergebnisse des gesamten Prozesses werden am 17. November 2026 im Rahmen einer öffentlichen Abschlussveranstaltung vorgestellt. Parallel zu diesen, von der Koordinierungsstelle Erinnerungskultur des Kulturamts verantworteten Veranstaltungen realisieren die Künstlerinnen Ann-Kathrin Müller und Judith Engel eine sogenannte „Inventour“ zu verschiedenen Bismarck-Orten im Stadtraum. Vom 9. bis 12. Juli und vom 9. bis 11. Oktober 2026 setzen sie sich unter dem Titel „Eine Zierde unserer Stadt? Bismarck als Stein, Eiche, Haus, Büste, Platz“ künstlerisch mit den Spuren der Bismarck-Verehrung in Stuttgart auseinander und laden herzlich dazu ein, sie dabei zu begleiten. Mehr Infos und Anmeldung hierzu unter: [anmeldung@eine-zierde-unserer-stadt.info](mailto:anmeldung@eine-zierde-unserer-stadt.info) ### **Beteiligung** **Die drei Workshopformate,** die den Kern des Prozesses bilden, werden von der Moderatorin und Prozessbegleiterin Viola Kelb begleitet und finden am 10. Juni und 22. Juli jeweils von 17:30 bis 20:30 Uhr und am 17. Oktober von 10:30 bis 13:30 Uhr statt. Ziel der drei Termine ist es, unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen, Raum für kontroverse Diskussionen zu schaffen und gemeinsam konkrete Ideen für den zukünftigen Umgang mit dem Bismarckplatz zu entwickeln. Neben dem Austausch sind auch kurze Impulse von Vetreter\*innen der Verwaltung sowie einem Designbüro geplant.  Am Anfang steht das Sammeln von Perspektiven, Erfahrungen und Fragen aus der Stadtgesellschaft. Dabei geht es um Fragen wie: Welche Geschichten und Erinnerungen verbinden sich mit dem Bismarckplatz und seinem Namensgeber? Welche Aspekte der historischen Figur sollten berücksichtigt werden? Und wie kann sich das im Stadtraum abbilden?Aufbauend darauf werden unterschiedliche Möglichkeiten des Umgangs mit der Benennung Bismarckplatz und dem konkreten Ort diskutiert. Die Optionen reichen von einer historischen Einordnung (z. B. auf einer klassischen Infotafel) über künstlerische Interventionen bis hin zu einer (Teil-)Umbenennung des Platzes.  Der letzte Workshoptermin dient der Konkretisierung und Weiterentwicklung der entstandenen Ideen. Ziel ist es, einen tragfähigen Vorschlag herauszuarbeiten, der sowohl dem historischen Kontext als auch der Bedeutung des Platzes als lebendigem Ort im Stadtteil gerecht wird. Die Treffpunkte liegen zentral in Stuttgart-West und sind barrierefrei erreichbar. Genauere Infos erhalten Sie nach Anmeldung. Kleine Snacks und Getränke stehen vor Ort bereit. ### **Wer kann mitmachen?** Die Workshops stehen allen Interessierten offen. Besondere Vorkenntnisse sind nicht notwendig. Da die drei Veranstaltungen aufeinander aufbauen, wird darum gebeten, möglichst an allen drei Terminen teilzunehmen.

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