Zukunft Bahnhofsquartier Bad Cannstatt
## Impulse für das Bahnhofsquartier
Das Bahnhofsquartier im Herzen von Bad Cannstatt bildet das Gelenk zwischen dem Bahnhof Bad Cannstatt und dem Wilhelmsplatz am Übergang zur Altstadt. Das Areal befindet sich im Wandel, der zahlreiche Herausforderungen, aber auch Entwicklungsmöglichkeiten mit sich bringt. Ziel ist, das Bahnhofsquartier zu einem lebendigen, vielseitig genutzten Stadtraum weiterzuentwickeln. 2025/2026 wird eine städtebauliche Machbarkeitsstudie erarbeitet, die ein programmatisches, städtebauliches, freiraumplanerisches und verkehrsplanerisches Gesamtkonzept zum Ziel hat und die Bürgerinnen und Bürger aktiv in den Entwicklungsprozess einbezieht.
#### Anlass der Quartiersentwicklung
Bereits das 2017 erarbeitete Handlungskonzept „Stadtteilzentren konkret“ definierte das Quartier als Bereich mit Sanierungs- und Entwicklungsbedarf, in dem sich der anhaltende Trading- Down-Effekt durch funktionale und stadträumliche Defizite ebenso wie die erhöhte Konzentration an Vergnügungsstätten zeigt. Die gestalterische Aufwertung der Bahnhofstraße sowie die Anreicherung dieses zentral gelegenen Quartiers mit kulturelle Nutzungen, Bildungseinrichtungen, Dienstleistungseinrichtungen, Büro- und Wohnnutzung wurden als Empfehlungen formuliert. Hieran setzt die aktuell in Bearbeitung befindliche städtebauliche Studie an und schafft die ersten Grundlagen für die künftige Quartiersentwicklung.
Das Bahnhofsquartier umfasst mehrere Flurstücke mit einer Gesamtfläche von ca. **7.700 m². Besonders prägend ist** die hervorragende Anbindung an das öffentliche Personennahverkehrsnetz. Der Bahnhof Bad Cannstatt im Süden bietet Zugang zum Regional- und S-Bahn-Verkehr, während der Wilhelmsplatz im Norden an das Stadtbahn- und Busliniennetz angeschlossen ist. Diese Lage macht das Areal zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt, bringt jedoch auch Herausforderungen wie eine hohe Lärmbelastung mit sich. Aufgrund seiner prominenten Lage und einer fehlenden Aufenthaltsqualität, fungiert das Bahnhofsquartier derzeit hauptsächlich als hochfrequentierter Transitraum.
Mit dem Erwerb der Schwaben-Bräu-Passage im Jahr 2020 konnte die Stadt Stuttgart ihre Handlungsfähigkeit im Quartier erhöhen. Die kulturelle und soziale Zwischennutzung der SchwabenBräu-Passagen schafft bereits neue Anziehungspunkte und trägt zur Aufwertung des Quartiers bei. Anfang 2025 konnte die Stadt weitere Flächen erwerben, sodass nun ein Großteil des Areals in städtischem Besitz ist.
#### Ziele und Rahmenbedingungen der Quartiersentwicklung
Das Bahnhofsquartier hat das Potenzial, ein lebendiges und zukunftsfähiges Stadtquartier zu werden.
Es soll ein gemischt genutztes Quartier entstehen, das seiner herausfordernden, aber vor allem auch überdurchschnittlich gut angebundenen und zentralen Lage gerecht wird, ein vielfältiges Nutzungsangebot für die Bürgerinnen und Bürger Bad Cannstatts bietet und gleichzeitig auch eine Strahlkraft über den Stadtbezirk hinaus entwickelt.
Das Bahnhofsquartier soll zu einer attraktiven Schnittstelle zwischen der Altstadt und dem Bahnhof Bad Cannstatt weiterentwickelt werden. Neben der Vernetzung soll eine städtebauliche Neuordnung mit attraktiven Nutzungen und hochwertigen Freiräumen entstehen, welche den Missständen entgegenwirkt, die Potenziale nutzt, vorhandene Angebote sinnvoll ergänzt und als Impulsgeber für das Gebiet fungiert.
Ziel ist es, die Identität des ältesten und einwohnerstärksten Stuttgarter Stadtbezirks zu stärken, Trennungen aufzuheben, neue städtebauliche Verbindungen und neue Anziehungspunkte zu schaffen sowie die Wertschätzung für den öffentlichen Raum als Lebensraum der Stadtgesellschaft zu fördern.
Dabei liegen besonders folgende Themenfelder im Fokus:
- **Attraktivität und Identität**: Schaffung von Anziehungspunkten und Aufenthaltsqualität.
- **Adressbildung**: Schaffung von Sichtbarkeit und Orientierung.
- **Durchlässigkeit und Vernetzung**: Stärkung der Verbindungen des Quartiers mit seiner Umgebung.
- **Vielfältiges Nutzungsangebot**: Schaffung eines gemischt genutzten Quartiers. Dies bedeutet, dass unterschiedliche Nutzungen miteinander kombiniert werden, um eine lebendige und vielfältige Nachbarschaft zu fördern. Dabei nimmt insbesondere auch die Erdgeschosszone eine Schlüsselrolle ein.
- **Öffentliche Räume und Aufenthaltsqualität**: Verbesserung der Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum. Durch die Gestaltung attraktiver Freiräume soll eine einladende Atmosphäre geschaffen werden, die zum Verweilen und zur Interaktion einladen.
- **Nachhaltigkeit**: Klimagerechte Entwicklung fördern.
Hinsichtlich der Entwicklung des Gebiets soll grundsätzlich frei gedacht werden. Es bestehen keine vordefinierten Einschränkungen bei der Neuordnung des Areals. Der Handlungsspielraum hängt jedoch von den Eigentumsverhältnissen und der Verfügbarkeit der Grundstücke ab. Die Stadt wird nach aktuellem Stand nicht als Projektentwickler auftreten, sondern ein wirtschaftlich umsetzbares städtebauliches Konzept entwickeln.
#### **Städtebauliche Studie mit Stakeholder- und Bürgerbeteiligung**
Der Entwicklungsprozess für das Bahnhofsquartier beginnt mit einer städtebaulichen Studie, die die Grundlage für die zukünftige Gestaltung des Areals bildet. Ein interdisziplinäres Planungsteam, bestehend aus Teleinternetcafe (Architektur und Städtebau), Treibhaus Landschaftsarchitekten (Freiraumplanung), Buro Happold (Verkehrsplanung) und Studio Malta (Beteiligung), wurden beauftragt, ein Nutzungskonzept sowie ein integriertes städtebauliches, freiraumplanerisches und verkehrsplanerisches Gesamtkonzept zu erarbeiten. Folgende Leitfragen sollen dabei betrachtet werden:
· Wie kann das Plangebiet neu geordnet werden und als **Impulsgeber** für Bad Cannstatt fungieren?
· Was muss das Quartier leisten? Wie kann man die **Vielfalt an Menschen und Funktionen** in einem Quartier zusammenfassen?
· Welche **Nutzungen** sind für das Quartier notwendig / wünschenswert? Wie kann das Nutzungsangebot sinnvoll und mit **Mehrwert für die Bewohner** von Bad Cannstatt ergänzt werden?
· Welche **städtebauliche Dichte** ist angesichts der außergewöhnlichen ÖPNV-Lagegunst vertretbar?
· Wie kann das Quartier besser mit der Umgebung **vernetzt** werden?
· Wie kann eine **klimagerechte Entwicklung** des Quartiers aussehen?
In mehreren Werkstätten und Veranstaltungen werden Interessierte eingeladen, ihre Ideen und Anregungen einzubringen. Diese partizipativen Formate ermöglichen es Bewohnern und Interessierten, aktiv an der Gestaltung ihres Lebensumfeldes mitzuwirken.
Diese partizipativen Formate sind entscheidend, um verschiedene Perspektiven zu berücksichtigen, Zielkonflikte frühzeitig zu erkennen und tragfähige Lösungen zu entwickeln, die den Bedürfnissen der Menschen vor Ort gerecht werden. Die gesammelten Rückmeldungen werden evaluiert und fließen in die Bearbeitung der städtebaulichen Studie ein.
#### **Wettbewerbsverfahren und Bebauungsplanverfahren**
Nach Abschluss der Machbarkeitsstudie und der technischen Machbarkeitsstudie für die Schwaben-Bräu-Passage wird ein Wettbewerbsverfahren durchgeführt, um kreative Ideen und Konzepte für die Quartiersentwicklung zu gewinnen. Anschließend wird ein Bebauungsplanverfahren für das Bahnhofsquartier eingeleitet, das in der Regel etwa **drei Jahre** dauert.
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